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Pressetext Nachrichtenagentur

Neue Verbraucherkreditrichtlinie in der Kritik

Berlin (pte013/22.07.2010/13:15) – Mit der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie (VKR) vom 11. Juni 2010 haben sich übliche Finanzierungsbegriffe geändert und wurden teilweise mit neuen Inhalten versehen. Die Praxis zeigt: Dies schafft Verwirrung statt der für den Verbraucher bezweckten Transparenz. Unterm Strich besteht die Gefahr, dass der Kunde benachteiligt wird. “Besonders deutlich wird das beim Effektiven Jahreszins nach Preisangabenverordnung und dem Nominalzins. Diese heißen nun Effektiver Jahreszins und Sollzins”, erklärt Matthias Rother, Vorstand der HYPOFACT AG www.hypofact.de , im pressetext-Interview.

“Bisher konnten die Kunden sich einen relativ genauen Vergleich durch den effektiven Jahreszins nach Preisangabenverordnung verschaffen, denn da waren die wesentlichen Kosten enthalten, die während der Finanzierung zu leisten waren. Der neue Effektivzins beinhaltet zusätzlich schon einen fiktiven Anschluss-Zins für die Zeit nach Ende der Zinsfestschreibung”, so Rother weiter.

Effektivzins wird zur wertlosen Angabe

Da nicht zwingend vorgegeben ist, mit welchem gerechnet werden muss, sieht der Baufinanzierungsvermittler die Gefahr, dass die Banken mit einem sehr niedrigen variablen Anschlusszins rechnen. Die Folge ist, dass rechnerisch ein effektiver Zins erreicht werden kann, der inklusive aller Kosten niedriger ist, als der Sollzins des Darlehens. Die Aussagekraft und Vergleichbarkeit des neuen Effektivzinses wird damit praktisch aufgehoben.

“Damit unsere Kunden dennoch die Möglichkeit haben, Kredite zu vergleichen, gehen wir in der Beratung häufig einen anderen Weg”, erläutert Matthias Rother. “Wir zeigen anhand des Sollzinses in Verbindung mit dem Zins und Tilgungsplan den Kunden die realen Kosten auf, die durch die Finanzierung entstehen. Zusammen mit den Informationen über unsere Provision, eventuell separat anfallende Kosten der Bank – zum Beispiel für Gutachten – und die Restschuld am Ende der Laufzeit bietet sich unseren Kunden dann ein klareres Bild.”

“Für den Verbraucher ist es jederzeit möglich, den bestehenden Kredit zu kündigen und über die bis dahin noch ausstehende und an das Kreditinstitut zu zahlende Kreditsumme einen neuen Kredit abzuschließen, um von besseren Zinsen und Konditionen zu profitieren. Damit könnte er den von der Bank eventuell ‘geschönten Effektivzins’ umgehen”, erklärt Myriam Elzer, Rechtsanwältin beim Rechtsdienstleister janolaw www.janolaw.de , gegenüber pressetext. In diesem Fall können Banken jedoch eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.

Vorvertragliche Informationspflicht

Des Weiteren sieht die VKR vor Vertragsabschluss umfangreiche Informations- und Erläuterungspflichten vor. Künftig sollen u.a. die Provisionen deutlicher offengelegt werden. Dies wiederum bringt momentan Vermittler und Banken in die Schwierigkeit, sich gesetzeskonform zu verhalten. “Die Gesetzesbegründung stellt klar, dass ein genauer Geldbetrag angegeben werden muss, um den gesetzlichen Vorgaben zu genügen. Eine Prozentangabe wie bisher ist nicht mehr zulässig, erst recht nicht eine Range”, erläutert Myriam Elzer.

Für John Semler, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Immobilienfinanzierer (bvdif) www.bvdif.de , ist dies nicht eindeutig genug: “Welche Vergütung ist gemeint? Handelt es sich um den Betrag, den der Vermittler von der Bank oder vom Kunden bekommt? Es gibt ja auch Baufinanzierungsplattformen wie prohyp. Soll auch angegeben werden was diese verdienen?”, kritisiert er gegenüber pressetext.

Richtlinie noch nicht ausgereift

“Generell halte ich die VKR für gut. Denn in Deutschland ist es so, dass Verkäufer von Versicherungen ausgebildet und registriert sein müssen. Eine Baufinanzierung kann jeder verkaufen, der sich käuflich eine §34 C Lizenz erwirbt. Sprich, der Metzgermeister von nebenan kann abends noch eine Baufinanzierung an den Mann bringen. Damit kann er großen Schaden anrichten. Wir müssen also unbedingt dahin kommen, dass wir eine brauchbare Richtlinie bekommen”, fordert Semler. Dem stimmt auch Matthias Rother zu: “Die VKR ist trotz aller noch bestehenden Mängel und Unklarheiten wichtig, um Qualität und Professionalität in den Markt zu bringen.”

Aktuell steht der bvdif dem Verbraucherschutzministerium beratend zu Seite, um die Nachbesserungen an der VKR voran zu bringen. “Optimal wäre, wenn es eine einheitliche Vergütungsregelung bei allen Banken geben würde. Dann wäre der Markt für alle Teilnehmer transparent und die VKR überhaupt kein Thema mehr”, so Semler.